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Literaturkreis am Vormittag

Ein Höllenspektakel breitete sich im Klassenzimmer aus, als ein Junge namens Harry seinen Mitschülern in kindlicher Unbefangenheit erzählte, dass sein Großvater ein kleiner Jude mit einem großen Bart gewesen sei. Der tobenden Belustigung der Schüler folgte die erste Züchtigung des Jungen vor aller Öffentlichkeit durch die Autorität in Person eines herbeieilenden Lehrers. Um dem Jungen seine Schuld an dem Klassentumult büßen zu lassen, fiel die Prügel durch Stockhiebe außerordentlich heftig aus. Diese Schulanekdote aus dem 19. Jahrhundert wäre nichts Außergewöhnliches, beträfe sie nicht Heinrich Heine, für dessen Leben und Wirken diese Kindheitserinnerung unfreiwillig Programm wurde.
Ob die Diffamierungen seiner Liebesgedichte als „Bordellpoesie“ nebst der Abwertung seiner Person als charakterlosem, frivolen Poeten, die Schmähung als Nestbeschmutzer, die das Verbot seiner Schriften und die Verfolgung durch die öffentlichen Instanzen nach sich zog und bekanntlich sein Exildasein in Frankreich begründete oder aber die enthusiastische Begeisterung seines breiten Lesepublikums, sein früher Ruhm als Lyriker – an Heine, dem ersten großen jüdischen Schriftsteller der deutschen Literatur, schieden sich die Geister und dies weit über seinen Tod hinaus.
Heute stellt niemand mehr die Bedeutung und den literarischen Rang Heines in Frage. Vergessen sind die Kontroversen um Heine-Denkmäler, der Streit um die Benennung der Düsseldorfer Universität noch in den 1980er Jahren. Als man 1997 den 200. Geburtstag Heines mit pompösen Festakten feierte, schienen endlich alle Kontroversen beendet. Dennoch spottete ein Rezensent :„Sie haben ihn heimgeholt, heimgeholter geht`s nimmer“. Dem bürgerlichen Intellektuellen Heine wäre dies sicherlich suspekt gewesen.
Deshalb blicken wir in diesem Kurs auf das „Höllenspektakel“ Heine, auf die Ein–Mann- Opposition eines Außenseiters, der, um sich Gehör zu verschaffen und die Abgründe zwischen politischem Stillstand und dem rasanten gesellschaftlichen Wandel in seiner Zeit zu benennen, neue Wege des lyrischen Sprechens suchte.


Gebühr

55,30 € €


Zeitraum

Di. 17.09.2019 - Di. 04.02.2020, 09:45 - 12:00 Uhr


Kursort


Dozent/in

Datum Zeit Ort
17.09.2019 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
01.10.2019 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
29.10.2019 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
12.11.2019 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
26.11.2019 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
10.12.2019 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
07.01.2020 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
21.01.2020 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)
04.02.2020 09:45 - 12:00 Uhr Meinerzhagen, Stadthalle, Vereinsraum (Eingang Kino)