Programm >> Kultursalon >> Lesungen

LiteraturCafé Nr. 40 - im Bettenhaus Lienenkämper (19F-3201)

So. 07.04.2019 15:00 - 16:30 Uhr in Meinerzhagen
Dozentin: VHS-Geschichtenschmiede

Schlafzimmer sind schon immer Rückzugsorte gewesen, die Welt soll tunlichst draußen bleiben, nur ganz ausgewählte Zeitgenossen wie Bücher sind - neben ebenso ausgewählten Lebensgefährten – zugelassen. Und doch geschieht, neben Liebesakten natürlich, mehr als Morpheus sich jemals zu träumen gewagt hätte. Da werden nach durchwachten, hin und her gewälzten Nächten Lebenswendepunkte beschlossen. An einem letzten Morgen bleibt das Bett nebenan leer. Ein Matratzenlager birgt ungeahnte Schätze, die stets verschlossene Tür des Kleiderschrankes hütet Geheimnisse und alte Erinnerungen. Und dann findet sich doch noch ein aus der Zeit gefallenes blaues Strumpfband an und ein wehmütiges rotes Mieder, das so seine ganz eigenen Träume hat.
Wir laden ein zu Geschichten zwischen Seidenlaken und federleichten Spitzenkissen.

Kurt Tucholsky (19F-3202)

Fr. 10.05.2019 19:00 - 20:30 Uhr in Kierspe
Dozentin: Marion Görnig

Rezitationsabend

Lesung zum Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933

"Ein kleiner dicker Berliner, der versuchte, mit einer Schreibmaschine eine Katastrophe aufzuhalten..."
(Erich Kästner)

"Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."
(Heinrich Heine)

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Ende Januar 1933 kam es im März im Zuge einer „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu einer organisierten und systematisch vorbereiteten Verfolgung jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller. Dabei handelte es sich um eine von der Deutschen Studentenschaft geplante und durchgeführte Aktion unter Führung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes. Höhepunkt waren die am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in 21 anderen deutschen Universitätsstädten groß inszenierten öffentlichen Bücherverbrennungen, bei denen Werke verfemter Autoren von Studenten, Professoren und NS-Organen ins Feuer geworfen wurden.
Marion Görnig und Martina Schnerr-Bille erinnern an diesem Abend an das Leben und die Schriften von Kurt Tucholsky, seinen Kampf um die Freiheit des Geistes. „Wenn wir dich kriegen, Tucholsky“, hatte Goebbels schon lange vor 1933 gedroht. Es ist Ihnen nicht gelungen.

"Wenn Martha tanzt" (19F-3203)

So. 17.02.2019 16:00 - 17:30 Uhr in Herscheid
Dozent: Dr. med. Thomas Saller

Tom Saller liest

Lesung mit freundlicher Unterstützung der
Sparkasse Lüdenscheid

"Als ich weiterblätterte, starrte ich auf einen Wust eng beschriebener Notenblätter. Kein liniertes, kartiertes, nein: Notenblätter. Allerdings nicht mit Musiknoten bedeckt, sondern in normaler, feminin anmutender Schrift beschrieben. Klein, nah beieinander, dicht gedrängt, als ob die Urheberin der Notizen möglichst platzsparend hätte arbeiten wollen. Immer wieder wurde das Geschriebene unterbrochen, von Skizzen, Zeichnungen und Studien. Aber es fanden sich auch fertige Porträts, die jeweils eine ganze Seite einnahmen. Ich blätterte in der Kladde herum und stieß auf ein Bild mit dem seltsamen Titel: Tanzstellung 17 B. Darüber stand eine handschriftliche Anmerkung: Habe Sie beim Tanzen beobachtet. Verzeihung." (Tom Saller, Wenn Martha tanzt)
Ein junger Mann reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar - ein gewagter Schritt. Walter Gropius wird auf sie aufmerksam, Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert - für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur.
Tom Saller verbindet Musik und Literatur in einer Familien-Saga. Der 1967 geborene Autor arbeitet seit dem Abschluss seines Medizinstudiums in der Nähe von Köln als Psychotherapeut. Neben seinem Beruf spielt er Saxophon in einer Jazz-Combo. Im Frühjahr 2018 erschien sein vielbeachtetes und hochgelobtes Romandebüt „Wenn Martha tanzt“, das sein Interesse für die Literatur und die Musik gekonnt miteinander verbindet.

"Römisches Fieber" (19F-3204)

Fr. 29.03.2019 19:00 - 20:30 Uhr in Kierspe
Dozent: Christian Schnalke

Christian Schnalke liest

Lesung mit freundlicher Unterstützung der
Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen

»Liebevoll, gleichwohl mit trockenem, manchmal bösem Humor und einer feinen Ironie erzählt - mein Freund Christian Schnalke hat einen grandiosen Roman geschrieben.« (Volker Kutscher)

1818. Franz Wercker ist auf der Flucht, nachdem er unter unseligen Umständen den eigenen Vater erschlagen hat. Als ihn am Gardasee die Kräfte verlassen, bekommt er eine unverhoffte Chance: Der junge Dichter Cornelius Lohwaldt, mit einem Stipendium des bayerischen Königs unterwegs nach Rom, bringt sich unglücklich zu Tode. Franz nimmt seine Identität an. In Rom taucht er ein in die Gemeinschaft deutscher Künstler - junger, begeisterter Enthusiasten, die fern der Heimat hart arbeiten und glücklich leben. Franz findet Freunde und verliebt sich in eine junge Malerin. Doch als sich Lohwaldts Schwester Isolde auf den Weg nach Rom macht, um ihren Bruder zu suchen, droht sein Lügenkonstrukt einzustürzen. Und als ein Mord geschieht, zieht sich die Schlinge um Franz zusammen...

Christian Schnalke, geboren 1965, verbrachte die meiste Zeit seiner Jugend im Internat mit Zeichnen und studierte dann Literatur und Philosophie. Er schrieb zwei Romane gemeinsam mit Volker Kutscher und probierte mehrere Jahre lang erfolgreich die verschiedensten Formen des Schreibens für Bühne und Film aus, was ihn bis nach Moskau und New York führte, wo ein Theaterstück am Broadway aufgeführt wurde. Danach zog er sich mit seiner Frau nach Tokio zurück, um Anlauf für umfassendere Geschichten zu nehmen. Nach zwei Jahren kehrte er mit Kind und vielen Ideen zurück und schrieb Drehbücher für große Mehrteiler und preisgekrönte TV-Events u.a.: Die Patriarchin, Krupp - eine deutsche Familie, Afrika, mon amour, Duell der Brüder - die Geschichte von Adidas und Puma und Katharina Luther. Er schreibt seit jeher am liebsten unterwegs - in Cafés, auf Reisen oder in freier Natur.

Hörtheater Lauschsalon: Geschichte eines ungestümen Herzens (19F-3205)

Fr. 08.03.2019 19:00 - 20:30 Uhr in Meinerzhagen
Dozentin: Anja Bilabel

Kammerhörstück
Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen

"Viele, die versteckt während der Nazizeit schrieben, blieben lange unbekannt. (…) Die von Bilabel ausgesuchten Gedichte und Romanausschnitte stammen von sechs Frauen, die durch das Schreiben ihre Stärke wiederfanden. Sie hoben nicht die Opferrolle hervor, sondern den Widerstand, den diese Frauen leisteten. (..) „Die Wörter diktieren: Schreib uns!“ begründet die Dichterin Rose Ausländer ihren Antrieb. (..) Ihre Reime sind kurz, gehen in die Brüche. Mit ihrer Mutter überlebte sie versteckt in dem Ghetto ihrer Heimatstadt Czernowitz. Heimlich traf sie sich mit Paul Celan. (…) Eine Überlebende wie Johanna Moosdorf (…) konnte mit ihrer Montagetechnik, die Gegenwart und Vergangenheit, Erdachtes und Reales ineinander verbindet, ihrem Streben nach Gerechtigkeit und Aufklärung nachgehen. Sie schreibt: "Alles ist nur die halbe Wahrheit." (Münstersche Zeitung vom 9.4.2010)

Ein Hörstück über das Leben und Wirken deutschsprachiger Autorinnen während und nach der NS-Zeit, ihr Leben und Schreiben während der Verfolgung durch das NS-Regime, im Exil und in den Nachkriegsjahren. Trotz des Hintergrundthemas stimmen die Texte hoffnungsfroh, da der Abend neben der Historie die Phantasie, die Stärke und den Mut der Frauen, ihr Alltagsleben, ihre Liebe in den Vordergrund stellt, von ihrer Leidenschaft zum Schreiben erzählt und dem daraus resultierenden öffentlichen Widerstand. Wie ein roter Faden ziehen sich in diesem Hörstück spannende historische Sequenzen, bewegende und inspirierende Texte und Musik, ein konzertantes Hörspiel-Feature mit historischen Berichten, Lyrik und Prosa von Rose Ausländer, Gertrud Kolmar, Mascha Kaléko, Nelly Sachs und Johanna Moosdorf in der NS-Zeit und in den Nachkriegsjahren.
Konzept, Arrangement und Regie Anja Bilabel

Die Schauspielerin Anja Bilabel spricht als Hörspiel- und Featuresprecherin für den Deutschlandfunk Köln, dem WDR, den Hessischen Rundfunk und für das HR-Fernsehen. Sowohl in ihrer Schauspiel- als auch in ihrer Sprechtertätigkeit wurde sie mit Stücken und Hörspielen mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Sie lebt in Münster, pendelt vor allem nach Frankfurt (Theater, Rundfunk, Fernsehen, Synchron), Köln (Radio, Hörbuch) und zu all den Orten, in denen ihr Lauschsalon gastiert.
Die Violonistin Sabine Fröhlich hat an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart studiert und ist Dozentin für Violine/Viola an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und der Westfälischen Schule für Musik in Münster. Ihre Aktive Konzertmeistertätigkeit umfasst verschiedene ansässige Orchester, u.a. das Kourionorchester Münster, das Studentenorchester und die Alte Philharmonie Münster.