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Literaturkreis am Vormittag

„ich bin weit gegangen...die Kontinente die Jahre hinauf“

Heimatlosigkeit als prägende Lebenserfahrung, dieses Schicksal teilte sie mit vielen anderen als Deutsche im 20. Jahrhundert und Jüdin, ohne diese Identität je gelebt zu haben: Hilde Domin, Lyrikerin und Exilantin in den verschiedensten Ländern über Jahrzehnte ihres Lebens. Ihr Lebensweg von Flucht und Fremderfahrung, keineswegs vorhersehbar für die 1909 in Köln geborene Tochter aus jüdischem Großbürgertum, hat die studierte Ökonomin spät zur Dichterin gemacht. Mitte der 50er Jahre noch immer in der Emigration in der Dominikanischen Republik begann ihr zweites Leben im Schreiben, die „Heimkehr ins Wort“, wie sie es nannte, die die Erfahrung von Fremdbestimmung, Ausgrenzung und Heimatlosigkeit überwinden half, auch dann noch, als sie nach Deutschland zurückkehrte, und sie sich mit ihren Gedichten im Literaturbetrieb behauptete, kritisch und oft unbequem, eine ungewöhnliche Einzelgängerin und unverwechselbar im Ton ihrer Gedichte.
Eine Rückkehr nach Deutschland hat es für Mascha Kaléko und Else Lasker-Schüler, die beiden anderen großen Einzelerscheinungen innerhalb der deutschen Lyrik, nicht gegeben. Auch sie sind „weit gegangen“- von ihren literarischen Anfängen in Berlin bis nach Jerusalem. Mascha Kaléko lebte dort von 1959 bis 1974. „Heimat – die wievielte?“ fragte sie in einer Gedichtzeile, wissend, dass ein Leben in dem Land, das sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere 1939 verließ, um nach Amerika zu emigrieren, nicht mehr möglich sein würde. Jerusalem aber blieb ein Leben in der Fremde, das sie fast verstummen ließ, obwohl gerade ihre Existenz als Dichterin auch für sie Lebensrettung vor Heimweh und tiefer innerer Resignation war. So wurde Mascha Kaléko Jerusalems unbekannteste Dichterin, ein Rang, den Jahrzehnte zuvor Else Lasker-Schüler innehatte, auch sie in Jerusalem eine Fremde im Exil am Ende eines Lebens, das schon früh durch fehlende Verortung und Heimatlosigkeit geprägt war. Die meiste Zeit ihres Lebens mittellos und ohne eigene Wohnung war Else Lasker-Schülers Heimat die Welt, die sie sich in ihrer Dichtung selbst schuf – im Gegensatz zu den beiden anderen Lyrikerinnen gerade in der Reflexion auf ihre jüdische Identität.
Der Kurs wird sich mit den Lebenswegen und den Gedichten dieser drei außergewöhnlichen Frauen beschäftigen, die mit ihrem lyrischen Werk den Erfahrungen von Exil und Heimatsuche eine jeweils eigene und unverwechselbare Stimme gegeben haben.


Gebühr

55,30 € €


Zeitraum

Mo. 23.09.2019 - Mo. 10.02.2020, 09:45 - 12:00 Uhr


Kursort


Dozent/in

Datum Zeit Ort
23.09.2019 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
07.10.2019 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
04.11.2019 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
18.11.2019 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
02.12.2019 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
16.12.2019 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
13.01.2020 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
27.01.2020 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum
10.02.2020 09:45 - 12:00 Uhr Schalksmühle, Musikschule, Viktoriastr. 6; Raum