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Literaturkreis

Rainer Maria Rilke (1875–1926) begann seine Duineser Elegien, ein beispielloses Meisterwerk deutschsprachiger Lyrik, während seines zweiten Aufenthalts auf Schloss Duino, der im Oktober 1911 begann und sich, mit zwei kurzen Unterbrechungen, bis zum 8. Mai 1912 erstreckte. Eines Tages gegen Ende 1911, so hat sich Rilke später erinnert, sei es ihm, wohl 200 Fuß über der Adria, so gewesen, als ob im Brausen einer heftigen Bora eine Stimme ihm zugerufen hätte: „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnung?“. Diese Worte habe er sofort niedergeschrieben und willkürlich, ohne sein eigenes Bemühen, hätten noch einige weitere Verse sich angereiht. Dann sei er in sein Zimmer gegangen, und am Abend sei die erste Elegie vollendet gewesen. Im Januar und den ersten Februartagen 1912 gelingt ihm auch die zweite Elegie. Die Anfänge der dritten, der sechsten, der neunten und einige weitere Bruchstücke werden ihm eingegeben, vor allem der gewaltige Anfang der zehnten. Doch damit ist es für den Augenblick getan. Erst im Spätherbst 1913 sind neue Versgruppen entstanden, und wieder zwei Jahre später, im November 1915, wurde das Vorhandene um eine ganz neue Elegie vermehrt: die vierte. Dann wieder Schweigen und Darben, mehr als sechs Jahre lang. Das Werk, das Rilkes Abkehr vom ‚Dinggedicht’ repräsentiert, bietet eine umfassende Auslegung des menschlichen Daseins überhaupt, einen großräumigen, alles Einzelne in die elegisch-hymnische Strömung reißenden Weltgesang. Die Sorge um die epochale Situation des Menschen bildet den thematischen Kern des Ganzen; es ist die Frage nach der Wirklichkeit eines Geschlechts, das sich in gültigen Veräußerungen nicht mehr glaubhaft bezeugen kann. Eine fast systematisch geordnete Seins- und Lebenslehre wird verkündet, ein ganz unabhängiger, ganz persönlicher Mythos, der seine eigenen ‚Heiligen’ hat, seine Vorbilder und Protagonisten: den Helden, die jungen Toten, die Liebenden, die Engel oder auch den Engel, der ein Sinnbild des Übernatürlichen- Übermenschlichen darzustellen hat, eine Art ‚Pseudonym Gottes’. Was Rilke besingt, ist ein sinnverkehrtes Gegenstück zum Kosmos der christlich-abendländlichen Überlieferung: hierarchisch geordnet zwischen Tieren und Engeln, aber ganz nach ‚innen’ genommen, eine ganz aus Gefühl gemachte, im Unsichtbaren triumphierende Welt. Der neuen, großen Thematik entspricht ein neues Formgesetz: der großbogige Rhythmus, die reimlose Langzeile, das frei fungierende Metrum. Rilkes großartige Elegien sind äußerst anspruchsvoll; doch es lohnt sich sehr, die sinnstiftende Herausforderung anzunehmen und im Kurs gemeinsam zu meistern.

Die Teilnehmer/innen möchten sich bitte zur ersten Sitzung mit der ersten Elegie vertraut machen.


Gebühr

57,20 €


Zeitraum

Di. 13.09.2022 - Di. 17.01.2023, 17:30 - 19:00 Uhr


Dozent/in

Datum Zeit Ort
13.09.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
20.09.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
27.09.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
18.10.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
25.10.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
08.11.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
15.11.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
22.11.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
29.11.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
06.12.2022 17:30 - 19:00 Uhr Halver, Bürgerzentrum im Lern- u. Begegungszentrum, Mühlenstr. 2
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