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Von Rheinsberg und Gripsholm

„Natürlich ist die Geschichte von „Rheinsberg“ wahr. Auch die Claire existiert noch. Sie lebt als eine wacklige, etwas tropfnasige Alte in Ducherow, unweit Pasewalk, wo sie neugierigen Fremden vom Rathauskastellan gegen ein Entgelt von fünfundzwanzig Pfennigen gezeigt wird; vormittags von elf bis eins und nachmittags von drei bis fünf. Sonntags ist sie zu. Ihr Lebensunterhalt wird in freundlicher Weise von unserem Verleger bestritten, sie ist also völlig verarmt.“

Rheinsberg, eine heitere Liebesgeschichte von ungewöhnlicher Leichtigkeit zu Zeiten des strengen Kaiserreichs begründete seinen Ruhm. Kurt Tucholsky. Und am Ende seines Lebens stand noch einmal eine Sommerliebengeschichte: Schloss Gripsholm. Doch über ihr schwebten schon die dunklen Wolken.
Ein kleiner dicker Berliner, der versuchte, mit einer Schreibmaschine eine Katastrophe aufzuhalten, hat Erich Kästner Tucholsky einmal beschrieben. Zwischen den einzigen beiden literarischen Erzählungen seines Schriftstellerlebens wurde er zum tiefsinnigsten, scharfzüngigsten Spötter eines Deutschland, das von den preußischen Tugenden auch in den wilden Zwanzigern nicht lassen mochte. Ein Deutschland, dem die Demokratie fremd blieb, das seinen Kaiser wiederhaben wollte und einen Hitler bekam. Tucholsky schrieb furchtlos gegen die heraufziehende Gefahr an, warnte vergebens vor dem Absturz Deutschlands in die Barbarei. Wenn wir dich kriegen, Tucholsky, drohte Goebbels schon lange vor der Machtergreifung. Die Nazis duldeten keinen Stachel im Fleisch, schon gar nicht einen jüdischen, verbrannten seine Bücher und bürgerten ihn aus. Als Staatenloser ohne Pass blieb er ein Fremder in seiner letzten Zuflucht Schweden. Denn ohne sein Land, dass er so scharf kritisierte, mochte Tucho, wie seine Freunde ihn nannten, auch nicht leben. Am 21. Dezember 1935 nahm er sich im schwedischen Hindas das Leben. Seine Freunde haben ihn schließlich dort begraben, wo seine letzte Liebesgeschichte spielt, in Mariefred am Mälarsee, und wenn er noch einmal den Weg nehmen könnte von dem schattigen Platz unter dem großen Baum über den Platz vor dem Rathaus und der Straße mit den hübschen kleinen Geschäften, dann läge das alte, dicke Schloss vor ihm: Gripsholm.
Wir werden uns an diesen beiden Abenden mit den Romanen „Rheinsberg“ und „Schloss Gripsholm“ und natürlich mit der Biografie Tucholskys beschäftigen, denn die Claire, die hat es ja wirklich gegeben in seinem Leben.

Der Kurs findet als Videokonferenz online statt. Sie benötigen nur einen Laptop oder ein Tablet mit eingebauter Kamera und Mikrofon. Sie müssen kein Programm herunterladen, sie bekommen von der Kursleiterin einen Link zur Videokonferenz per Mail zugeschickt.


Gebühr

13,40 €


Zeitraum

Di. 21.11.2023 - Di. 05.12.2023, 19:00 - 20:30 Uhr


Kursort


Dozent/in

Datum Zeit Ort
21.11.2023 19:00 - 20:30 Uhr online
05.12.2023 19:00 - 20:30 Uhr online

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Kurs abgeschlossen