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Literatur bei Wein und Brot - Neuerscheinungen des Bücherfrühlings (24F-3400)

Fr. 19.04.2024 19:30 - 21:00 Uhr in Kierspe
Dozentin: Hiltrud Schulte

Ein Abend bei Wein und Brot, in dessen Mittelpunkt die neuen Bücher dieses Literaturherbstes stehen. Lesenswerte Romane – und vielleicht auch der eine oder andere, den man nicht lesen muss, auch wenn er auf der Bestsellerliste steht. Neue Autorinnen und Autoren – vielversprechende Erstlings- und das eine oder andere Spätwerk. Überraschende Themen, vielversprechende Preisträger, dicke Wälzer und kleine Meisterwerke, Erinnerungen, Abrechnungen, Visionen und Lebensträume mit und ohne Happy End. Ganz angesehen von Krimis für Unerschrockene, verschachtelten Familienepen und rosenduftgetränkten Romanzen. Eine Auswahl empfehlenswerter Neuerscheinungen nicht nur von der Frankfurter Buchmesse, Lesetipps und Anregungen für Literaturfreunde. Weil man schließlich nicht alles lesen, aber vieles bei einem Glas Wein erfahren, erblättern und diskutieren kann.

Zeugnisliteratur: überleben schreiben (24F-3401)

Mo. 11.03.2024 (17:00 - 18:30 Uhr) - Mo. 17.06.2024 in Kierspe
Dozentin: Katrin Vollmann

Zeugnisliteratur, die Literatur der Überlebenden des Holocaust, das literarische Erbe der Erinnerung: wie nähern wir uns diesen Texten an, wie gehen wir mit ihnen um – und lassen wir sie in unsere Gegenwart sprechen?
Mit diesen Fragen setzen wir uns anhand ausgewählter Texte von Primo Levi, Ruth Klüger und Jean Amery auseinander.
Primo Levi erlebte das Konzentrationslager als Erwachsener und schrieb seine Erinnerungen noch unter dem Eindruck des unmittelbar Erlebten sehr früh auf, während Ruth Klüger als Kind inhaftiert wurde und jahrzehntelang über das schwieg, was sie erlebt hatte. Ihre Texte erschienen mit großem zeitlichen Abstand. Jean Amery schrieb mehrere Essays, welche die grundsätzliche Frage nach der Möglichkeit des Lebens nach dem Überleben stellen.
Auch Literatur kann eine Gedenkstätte sein, ein „Denk-Mal“, das keinen Ort braucht, aber Leser, die bereit sind, sich diesen Texten zu stellen und sie im Kontext aktueller politischer Entwicklungen für sich selbst sprechen zu lassen.

Johann Wolfgang von Goethe - Faust, Teil I (24F-3402)

Di. 13.02.2024 (17:30 - 19:00 Uhr) - Di. 04.06.2024 in Halver
Dozent: Prof. Dr. Rüdiger Imhof

Literaturkreis

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als eine gähnende Unruhe alle Stände des deutschen Volkes erfasste, zog ein Scharlatan durch Schwaben und Hessen. Er hieß Doktor Georg Faust, stammte aus Knittlingen und nannte sich ‚Magister Georgius Sabellicus, Faustus junior, Urquell der Schwarzkunst, Sterndeuter, zweiter Magus, Chiromant, Schatzgräber, Feuerwerker und zweitgrößter Quellforscher’. Unreinen Gewissens richtete er Unheil an und verkam auf der Landstraße. Dieses Mannes bemächtigte sich bald nach seinem Tode die Legende. Schon in dem 1587 erschienenen Volksbuch Historia von D. Johann Fausten war er als Zauberer und Bösewicht dargestellt, der nach gottlosem Leben zusammen mit seinem schwarzen Hund vom Teufel geholt wird.
Goethe lernte schon als Knabe den damals als besonders aktuell empfundenen Stoff kennen und trug sich seit 1771 mit dem Gedanken einer eigenen Faustdichtung. Im Jahr 1774 entstand der Urfaust, und in den folgenden Jahren arbeitete Goethe in zeitlichen Abständen weiter an dem Werk. Schließlich wurde der Tragödie Erster Teil im April 1806 vollendet. Erst in dieser seiner jetzigen Fassung hat Goethes Faustdichtung die Welt erobert. Die Liebe vieler Menschen gehört seither Gretchen, der holdesten Verkörperung klassischer deutscher Weiblichkeit. Das Wechselspiel zwischen Faust und Mephistopheles hat sein Wesen aus Goethes mächtigen Tiefen und aus seinem Wissen um Abgrund und Zerstörung empfangen. Die Welthaftigkeit des Stückes aber rührt letzten Endes von den kosmischen Bezügen her, die durch die Wette zwischen Gott und Teufel um Fausts Seele Fausts Schicksal über alles Individuelle hinaus zum Gleichnis für menschliches Los überhaupt erhebt. Für Goethe wurde Faust „der Unmensch ohne Rast und Ruh“, der Titan, der alle Grenzen des Menschseins durchbrechen möchte, um zu erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, im großen Drama des Menschen überhaupt, um dessen unruhvoll suchendes, irrendes und strebendes Herz Himmel und Hölle im Streit liegen.
Als Textgrundlage kann jede Faust-Ausgabe dienen, wobei diejenige im C.H. Beck Verlag besonders empfohlen sei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mögen sich bitte für die erste Sitzung mit den ersten Szenen vertraut machen.

Astrid Lindgren (24F-3403)

Sa. 08.06.2024 10:00 - 16:45 Uhr in Kierspe
Dozentin: Reinhild Essing

Literaturtag

„Man muss sich selbst als Kind erleben, wenn man für Kinder schreibt. Man trägt ja alle Alter in sich. Manchmal schaut das eine hervor, manchmal das andere.“ - A. L.

Wer kennt sie nicht, die Kinder aus Astrid Lindgrens Büchern: Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Michel und Madita und all die anderen? „Ich wollte nicht Bücher schreiben. Aber als ich angefangen hatte, war es schwer aufzuhören“, hat sie gesagt. Und so wurden es ganz viele Bücher in ihrem langen Leben, die sie in aller Welt berühmt machten. „Wie kann ein einzelner Mensch Kinder verstehen wie kein anderer? Wie kann es nur angehen, dass ein Mensch so schreibt, dass die Kinder auf der ganzen Welt lieben, was dieser Mensch schreibt?“ fragt ihre Biografin Kerstin Ljunggren. Andererseits ist sie – von den Erwachsenen! - auch heftig angefeindet worden, z.B. für die 'ungezogene Göre' Pippi oder „Die Brüder Löwenherz“, ihr trauriges Märchen über den Tod.
Wir werden uns an diesem Tag mit Astrid Lindgrens Leben beschäftigen: ihrer eigenen Kindheit – wie sie zum Schreiben kam – ihrer Arbeit als Sekretärin und Verlagslektorin – ihrem unermüdlichen Einsatz für die Rechte der Kinder, für Not leidende Menschen und auch für Tiere. Mit den Orten, an denen sie lebte und wo ihre Geschichten spielen, vom Hof Näs in Vimmerby über die Villa Kunterbunt und Saltkrokan bis Taka-Tuka-Land. Und natürlich vor allem mit ihren Büchern, den berühmten und den weniger bekannten, den Kinderbüchern, aber auch den Texten für Erwachsene wie z.B. „Pomperipossa in Monismanien“ oder der kleinen Geschichte über die große Liebe ihrer Eltern, „Samuel August von Sevedstorp und Hanna in Hult“, oder den Artikeln, die sie selbst über ihre Bücher geschrieben hat.
Alle, die Astrid Lindgrens Bücher durch die Kindheit begleitet haben, die heute noch gern ihre oder andere Kinderbücher lesen und die sich selbst noch manchmal als Kind erleben – ebenso alle, die sich für Kinderliteratur überhaupt interessieren, für die Frage, was ein gutes Kinderbuch ausmacht und was das Besondere an denen von Astrid Lindgren ist - sind herzlich dazu eingeladen - und werden gebeten, ihre eigenen Lindgren-Bücher mitzubringen.

Afrikanische und afropäische Stimmen in der Literatur der Gegenwart (24F-3404)

Sa. 25.05.2024 10:00 - 16:45 Uhr in Kierspe
Dozent: Dr. Nikolaus Schneider

Tsitsi Dangarembga und Sharon Dodua Otoo

Literaturtag


Afrikanische und afropäische Autor*innen können unsere Sichtweisen und Gewissheiten verändern. Denn sie erzählen sowohl anders als auch andere Geschichten. Wir besprechen am Literaturtag vor allem zwei Romane: This mournable body / Überleben (2018 / dt. 2021; Orlanda Verlag) von Tsitsi Dangarembga und Adas Raum (2021; S. Fischer Verlag) von Sharon Dodua Otoo.
Tsitsi Dangarembga (geb. 1959) ist Autorin und Filmemacherin in Simbabwe und setzt sich für Frauenrechte und politische Beteiligung in einer traumatisierten postkolonialen Gesellschaft ein; sie erhielt 2021 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. This mournable body ist der dritte Teil ihrer Tambudzai-Trilogie. Die Hauptfigur ist mittlerweile in den 40ern und trotz ihres Bildungsaufstiegs eine desillusionierte Frau im nach wie vor patriarchal dominierten Simbabwe, wo die Wunden der Kolonialzeit und der Diktatur Mugabes nach wie vor klaffen.
Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London als Tochter von Einwanderern aus Ghana geboren. Sie lebt mittlerweile in Berlin, ist Aktivistin und Kuratorin schwarzer Literatur in Deutschland und veröffentlicht auf Deutsch und Englisch. Ihre Identität kann „afropäisch“ genannt werden. Die Bachmannpreisträgerin des Jahres 2016 lässt in Adas Raum ihre Hauptfigur durch Zeiten und Räume wandern. Wiederholt sich die Geschichte? Oder gibt es Auswege aus kolonialen Unterdrückungsmustern?

Beide Romane laden ein zum Perspektivwechsel und machen blinde Flecken der eigenen Wahrnehmung von Macht, Hautfarbe und Geschlecht sichtbar.

Ausfall: Golda Meir - Die einzige Frau im Raum

Sa. 24.08.2024 10:00 - 16:45 Uhr in Kierspe
Dozentin: Marion Görnig

Biografietag


Golda Meir war eine der inspirierendsten Frauen ihrer Zeit. Geboren in Kiew als Tochter eines verarmten Zimmermanns wurde sie der vierte Premierminister Israels. Und damit die erste Premierministerin. Nicht umsonst nannte Pnina Lahav ihre "feministische Biografie" über Golda Meir und ihren Weg zur politischen Spitze "The only Woman in the Room".
Golda Meirs früheste Erinnerung ist die an ihren Vater, der die Eingangstür des Hauses gegen die Horden eines Pogroms verbarrikadiert. 1906 emigriert die Familie in die USA, wo Meir all den gesellschaftlichen und politischen Debatten begegnet, die für sie wichtig werden, über Zionismus, Frauenwahlrecht, Literatur und Sozialismus - und sich aktiv beteiligt. Sie wird Lehrerin, emigriert mit ihrem Mann nach Palästina, lebt mit ihm in einem Kibbuz. Von jeher politisch aktiv, wird sie Israels erste Gesandte in Moskau und schließlich 1969 die erste gewählte Ministerpräsidentin. Über ihre Memoiren mit dem Titel "Mein Leben" schrieb Simon Montefiore: "Die fesselnden Erinnerungen einer bemerkenswerten Frau, die ganz nach oben aufstieg in einer Männerwelt. Eine bezwingende politische Erzählung über Mut und Kampf, Macht und Führungskraft, Krieg und Krise - und der Entstehung Israels."

Ausfall: Dorothy L. Sayers - Online

Di. 18.06.2024 (19:00 - 20:30 Uhr) - Di. 25.06.2024 in Überörtlich
Dozentin: Marion Görnig

Von Glocken, Kirchen und Krimis

„Die Seilschlaufe, die es vor und während des Läutens einer Glocke in der Hand zu halten gilt, gibt dem Lernenden stets neue Rätsel auf; sie schlägt ihm ins Gesicht oder schlingt sich um seinen Hals (in welchem Fall er sich gar daran erhängen kann!)“
Troyte: Über das Wechselläuten

Schuld und Sühne, wo stellt sich diese zentrale Frage des Kriminalromans angemessener als in einer Kirche. Das Jüngste Gericht allgegenwärtig, die letzte Frage „Was hast du getan“, die Erlösung von der Schuld, Sündenfall, Schlange und der verbotene Apfel vom Baum der Erkenntnis, ein Brudermord und dreißig Silberlinge für den Verräter. Heilige Stätten, hoch in den Himmel aufragend, trotz der Last der Geschichte. In keinem anderen literarischen Genre als dem Krimi ist so oft eine Kirche der Schauplatz des Geschehens. Wenn nicht gar ein Mann Gottes selbst zur Detektivfigur wird wie Chestertons Pater Brown. Dorothy L. Sayers (1893-1957) war dem Thema als Tochter eines Pfarrers ohnehin sehr nah. Als sie keine Kriminalromane mehr schrieb, widmete sie sich ganz religiösen Themen. Der Peter-Wimsey-Roman „Der Glocken Schlag“ (engl. The Nine Tailors) ist ihr Kirchenkrimi, Fenchurch St. Paul in den Fens eine literarische Erinnerung an die Dorfkirche ihres Vaters in den einsamen nebligen Landschaften Norfolks.
Wir werden uns mit der Biografie dieser großen „Klassikerin“ des englischen Kriminalromans beschäftigen und der Ausgangsfrage nach Schuld und Sühne, der Verbindung von Religion und Kriminalroman.

Der Kurs findet als Videokonferenz online statt. Sie benötigen nur einen Laptop oder ein Tablet mit eingebauter Kamera und Mikrofon. Sie müssen kein Programm herunterladen, sie bekommen von der Kursleiterin einen Link zur Videokonferenz per Mail zugeschickt.