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Der Herr der Ringe - J.R.R. Tolkien (21F-3407)

Sa. 21.08.2021 10:00 - 16:45 Uhr in Kierspe
Dozentin: Marion Görnig

Literaturtag

„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Erforschung des Lebenswegs eines Autors eine völlig vergebliche und falsche Annäherung an seine Werke darstellt.“ (J.R.R. Tolkien)

Auch wenn der große Meister davon nichts hält, wir tun es trotzdem. Wir schauen auf das Leben des Oxforder Gelehrten, der plötzlich, während er Arbeiten seiner Studenten korrigiert, einen Satz notiert, den ersten Satz eines Werks, das ihn weltberühmt machen wird: „In a hole in the ground there lived a Hobbit.“
Geboren ist John Ronald Reuel Tolkien 1892 in Südafrika, in Bloomfontein. Als sein Vater dort stirbt, kehrt seine Mutter mit ihren beiden kleinen Söhnen in die Heimat England zurück. Ihr ebenfalls früher Tod macht die beiden Jungen zu Waisen, eine Kindheit in Armut weist mit keinem Hoffnungsschimmer darauf hin, dass aus John einmal ein gelehrter Professor und einer der größten Autoren des 20. Jahrhunderts werden könnte. Der 1. Weltkrieg, die Schlacht an der Somme, der Tod seiner engsten Freunde, ein Gefährtenkreis an der Universität, eine beharrlich erkämpfte Jugendliebe, eine Sprache, die er selbst erfindet, all das sind Stationen, Quellen, Wegmarken, die schließlich in seinem großen Werk „Der Herr der Ringe“ münden. So sehr er das auch bestreiten mag.

Literatur bei Wein und Brot - Neuerscheinungen des Bücherherbstes (21H-3401)

Fr. 05.11.2021 19:30 - 21:00 Uhr in Kierspe
Dozentin: Ileana Beckmann

Ganz egal, ob die großen Messen im Herbst 2021 schon wieder in der gewohnten Form stattfinden können oder nicht – neue Bücher gibt es auf jeden Fall. Es wurde geschrieben und gedruckt und in die Buchläden werden sie einziehen, die Neuerscheinungen dieses Bücherherbstes. Und so treffen wir uns wie seit vielen Jahren zu unserem Abend bei Wein und Brot, in dessen Mittelpunkt die neuen Bücher dieses Jahres stehen. Lesenswerte Romane, vielversprechende Erstlings- und grandiose Lebenswerke. Überraschende Themen, Preisträger, dicke Wälzer und kleine Meisterwerke, Krimis für Unerschrockene, große Familienepen und kleine Romanzen. Eine Auswahl empfehlenswerter Neuerscheinungen, Lesetipps und Anregungen für Literaturfreunde. Weil man schließlich nicht alles lesen, aber vieles bei einem Glas Wein erfahren, erblättern und diskutieren kann.

Zurück zur Natur? Vom "Nature Writing" und seinen (Sprach-)Landschaften (21H-3402VK)

Mo. 10.01.2022 (18:30 - 20:00 Uhr) - Mo. 07.02.2022 in Überörtlich
Dozentin: Kirsten Jüdt

Literaturkurs online

Seit einigen Jahren ist die literarische Landschaft vermehrt bevölkert von Krähen, Füchsen, Bäumen, Brennnesseln, Pilzen und unzähligen anderen Beispielen belebter und unbelebter Natur. Dem "Nature Writing" geht es darum, die kleine ‚Wildnis‘ in der großen zu entdecken – und das direkt vor der Haustür. Der eigene Gang nach draußen verspricht eine willkommene Abwechslung vom Alltag am Bildschirm. Doch geht es nicht um eine Flucht „zurück“ in eine heile und schöne Natur. Der Klimanotstand und düstere Zukunftsprognosen lassen eine solche Verzückung nicht mehr zu. Trotzdem gelingt es diesen Texten Wissen von und über Natur zu vermitteln und immer wieder neu zu reflektieren, was eigentlich unter Natur zu verstehen ist – in dem Bewusstsein, dass es dabei immer auch um den Menschen selbst geht.
Im Kurs nähern wir uns gemeinsam dem Phänomen des "Nature Writing", ein Begriff, der im Deutschen vielleicht am ehesten mit «Naturkunden» übersetzt werden kann. Wir fragen nach Beschaffenheit dieser Texte; wie gelingt es ihnen, dass wir selbst auf Entdeckungsreise gehen wollen? Inwiefern sind diese Texte vielleicht auch kritisch zu betrachten, wenn es um Naturschutz und Nachhaltigkeit geht? Kurz: Wie ist das Verhältnis von Mensch – Natur – Text?
Wir lesen u.a. Auszüge aus Texten von Marion Poschmann, Annie Dillard, Sumana Roy, Nan Sheperd, W.G. Sebald, Esther Kinsky, Robert Macfarlane und Kathleen Jamie.

Der Kurs findet online statt; Sie benötigen nur einen Laptop oder Tablet mit eingebauter Kamera und Mikrofon. Materialien und einen Link zur Videokonferenz bekommen Sie per Mail von der Kursleiterin zugeschickt.

Lesecafé: Bessere Welten (21H-3403)

So. 12.09.2021 (16:00 - 17:30 Uhr) - Mi. 09.02.2022 in Herscheid
Dozentin: Monika Petsos

Einladung ins Lesecafé fünf+eins

Sich eine bessere Gesellschaft und Zukunft vorstellen zu können, gehört zu den menschlichen Grundeigenschaften. Gerade Umbruchs- und Krisenzeiten liefern den idealen Nährboden für die Sehnsucht nach neuen, alternativen Lebensentwürfen. Entsprechend schreiben Literaten über Sehnsuchtsorte und Visionen utopischer Gemeinschaften.

Die Protagonisten unserer Lektüren finden ihr Paradies im verstrahlten Niemandsland, in der Abgeschiedenheit eines Lama-Klosters oder realisieren ihren Traum von einer besseren Gesellschaft am Prenzlauer Berg und in den Tiefen nordkanadischer Wälder. Für ein freiheitliches, selbstbestimmtes Leben mit Gleichgesinnten bis ins hohe Alter hinein nehmen sie Unbequemlichkeiten, Härten und Gefahren in Kauf. Lebensmodelle begegnen uns, die nur erdacht möglich sind und solche, die ausprobiert wurden und Personen, die den ersten Schritt zur Veränderung gewagt haben. Wir befragen die unterschiedlichen Lebensentwürfe nach ihrer Realisierbarkeit, ihrer Funktion, ihrem Verhältnis zur Gegenwart und dem Zeitgeist, der dahintersteht.

Verbinden wir das Erstschönste mit dem Zweitschönsten, lesen wir Bücher und reden wir darüber. Jeder ist eingeladen, in entspannter Atmosphäre bei Kaffee, Tee und Gebäck seine eigene Lese-, Sehnsuchts- und Lebenserfahrung ins Gespräch einfließen zu lassen.
Ein abschließendes Frühstückstreffen soll die Möglichkeit bieten, eine vergleichende Rückschau auf die Lektüren zu werfen, mit weiteren Hinweisen, Anregungen sowie Buchvorstellungen das Thema abzurunden.

James Joyce: Ulysses (21H-3404)

Di. 14.09.2021 (17:30 - 19:00 Uhr) - Di. 11.01.2022 in Halver
Dozent: Prof. Dr. Rüdiger Imhof

Literaturkreis

Ulysses (1922) erzählt die Geschichte von Leopold Bloom, seiner Ehefrau, Molly, und Stephen Dedalus, dem Sohn eines Bekannten der Blooms. Das wäre nichts Außergewöhnliches; denn in der Regel zeichnet ein Roman das Leben einer oder mehrerer Figuren bzw. wesentliche Abschnitte desselben nach. Joyce beschränkt sich allerdings auf vierundzwanzig Stunden – einen Tag, den 16. Juni 1904, an dem er zum ersten Mal mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, Nora Barnacle, ausgegangen war. Warum? Diesen Tag gestaltet er mit beispielloser geografischer, historischer, sozialer etc. Genauigkeit, sodass man Dublin wiederaufbauen könnte, sollte es denn niedergebrannt sein. Warum? Joyce stellt nicht nur die äußere Wirklichkeit akribisch dar, sondern auch die Innenwelt, das Bewusstsein seiner Figuren mit Hilfe von indirekter Rede, innerem Monolog und der sog. Bewusstseinsstrom-Technik. Das erste Kapitel verfügt über nur wenige gedankliche Einsprengsel; im zweiten finden sich derer schon mehr; im dritten bildet die äußere Wirklichkeit nur einen schmalen Rahmen für die immense Gedankenwelt des Stephen Dedalus; und das letzte besteht aus dem mehr als fünfzigseitigen Gedankenstrom der Molly Boom, ehe diese am frühen Morgen des 17. Juni einschläft – aber ohne jegliche Interpunktion, was den Lese- und Verstehensprozess nicht eben erleichtert. Nicht genug damit. Das Handlungsgefüge seines Werkes gründet er auf Figuren und Episoden aus Homers Odyssee. Die ersten sechs Kapitel sind im sog. „initial style“ (Anfangsstil) verfasst: Ein nicht näher identifizierbarer, allwissender Erzähler präsentiert das Geschehen mehr oder minder sachlich, objektiv und mischt dort hinein sprachliche Elemente, die den Gedanken der Figuren entnommen sind. Warum? Fragen über Fragen, auf die das Seminar Antworten zu geben sucht.
Ulysses ist ohne Frage ein schwieriger Text, vielleicht einer der komplexesten der Weltliteratur. So denken viele und verkennen leicht dabei, dass der Roman sehr amüsant und komisch ist. Doch es ist sein komplexes Wesen, das ihn besonders dafür empfiehlt, ihn gemeinsam in einer Gruppe zu enträtseln.
Als Text empfiehlt sich die Übersetzung von Hans Wollschläger im Suhrkamp-Verlag. Diese ist in unterschiedlichen Ausgaben (z.B. annotiert und nicht-annotiert) verfügbar, wobei die annotierte vorzuziehen wäre. Antiquariate offerieren preisgünstige Exemplare.

Der Kurs führt eine Veranstaltung aus 2020 fort, die wegen Corona vorzeitig beendet werden musste.

Ingeborg Bachmann - Schreiben zwischen Lieben und Leiden (21H-3405)

Mi. 27.10.2021 (18:00 - 20:15 Uhr) - Mi. 19.01.2022 in Schalksmühle
Dozentin: Dr. Aysegül Altun

Literaturkreis

… oder ihr Glaube an das Gute, das nie kommen wird

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ ist eine ihrer berühmten Zeilen. Deshalb wohl gibt es seit einigen Jahren trotz der noch bis 2025 bestehenden Sperrung bestimmter Korrespondenzen, neue Biografien, Essays und neue Werkausgaben.
Sie wird als literarischer Popstar der Nachkriegszeit gefeiert und dieser Platz auf dem Thron ist wohlverdient. Dennoch spaltet die Dichterin und Autorin Ingeborg Bachmann, die voller auffallender Gegensätze war, schüchtern und karrierebewusst, liebesabenteuerlustig und einsam, hilflos und selbstbestimmt, vielsprachig und desorganisiert.
Ob verehrt, oder verschmäht, sie ist und bleibt eine der interessantesten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Und das nicht nur wegen ihrer nahezu skandalösen Biographie, sondern auch wegen ihrer Literatur. Das Werk Bachmanns ist vom Leben Bachmanns nicht zu trennen, Ausschnitte aus beiden Welten sind die Inhalte unserer Literaturgespräche.

Durch Welt und Wiese oder: Geschichten von Reisen zu Fuß - Online-Vortrag (21H-3406VK)

Mi. 22.09.2021 19:00 - 20:30 Uhr in Überörtlich
Dozentin: Kirsten Jüdt

Literaturvortrag

Seit der Coronapandemie sind viele wieder zu Fuß unterwegs, zur Arbeit, zum Einkaufen, sonntags zum Spaziergang durch Wald und Wiese. Wer sich so zu Fuß durch Landschaft und Gesellschaft begibt, nimmt die Umwelt mit dem ganzen Körper wahr. Die Sinneseindrücke schärfen sich im unmittelbaren Ausgesetztsein in Wind und Wetter. Zugleich verlangsamt und fokussiert sich das Denken im Rhythmus des Gehens, die Grenzen zwischen Welt und Ich verschwimmen. Wer geht, „sieht die Zeit mit anderen Augen. Bewegung verliert ihre Flüchtigkeit, gehend graben wir uns tiefer und intensiver in die Welt hinein, verweilen, anstatt auf der Oberfläche dahinzugleiten […]. Der Augenblick ist das Ziel“.
Für die Schriftsteller*innen, deren Werke an diesem Abend vorgestellt werden, ist das Gehen, Spazieren und Wandern selbst Gegenstand ihrer literarischen Auseinandersetzung. Ihre Texte sind Beispiele für Aufzeichnungen von unterwegs; sie beschreiben ihre Wahrnehmungen, Erinnerungen und Denkprozesse und thematisieren zugleich den Akt des Schreibens. Das Gehen setzt also nicht nur Beine sondern auch Schreibwerkzeuge in Bewegung.
Im Vortrag vorgestellt werden Texte von W.G. Sebald, Robert Macfarlane und Esther Kinsky. Und natürlich Tipps für weitere Literatur – die ja vielleicht beim nächsten Spaziergang für die gemütliche Pause unter Linden mit in den Rucksack gepackt werden kann.

Der Vortrag findet als Videokonferenz online statt. Sie benötigen nur einen Laptop oder ein Tablet mit eingebauter Kamera und Mikrofon. Sie müssen kein Programm herunterladen, sie bekommen von der Kursleiterin einen Link zur Videokonferenz per Mail zugeschickt.

Streifzüge durch die japanische Literatur (21H-3407)

Sa. 13.11.2021 10:00 - 16:45 Uhr in Kierspe
Dozentin: Reinhild Essing

Von Kirschblüten, Kranichen und Kintsugi
Literaturtag

Der Fuji-Berg im Regen
Auch an Tagen, da
Regendunst den Berg verhüllt,
bleibt er wunderschön!

Matsuo Basho

Einer der bedeutendsten Klassiker der japanischen Literatur stammt von einer Hofdame: "Das Kopfkissenbuch der Sei Shonagon", entstanden um das Jahr 1000, enthält anmutige Skizzen über das Leben am kaiserlichen Hofe, an dem zu dieser Zeit die Literatur zu hoher Blüte gelangte. Weitere Klassiker sind die Werke Yasunara Kawabatas, der als erster japanischer Schriftsteller den Literaturnobelpreis bekam, "„für seine Erzählkunst, die mit feinem Gefühl japanisches Wesen und dessen Eigenart ausdrückt“, wie es in der Begründung heißt. Die Bücher von Haruki Murakami dagegen ("Naokos Lächeln", "Gefährliche Geliebte") spielen zwar in Japan, sind aber durch Vorbilder westlicher Literatur geprägt.
Lesenswerte Romane zur japanischen Kultur und Geschichte gibt es auch von Japankennern und -liebhabern anderer Nationalität: "Die Geishas des Captain Fisby" etwa, eine Satire auf die amerikanische Besatzung in Okinawa, verfasst von Vern Sneider, der als Captain der US-Armee während des Zweiten Weltkriegs dort stationiert war. Oder umgekehrt Geschichten von Japanern, die es in andere Länder verschlagen hat, wie Julie Otsukas schmaler Roman über eine Gruppe junger Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen, um in Kalifornien arrangierte Ehen einzugehen ("Wovon wir träumten"). Moderne Heldinnen sind zum Beispiel Rei Shimura, die junge Heldin aus Sujata Masseys rasanten Krimis, oder "Die Journalistin" Yumiko, die auch gegen den Widerstand höherer Kreise recherchiert.
Doch genug der Beispiele! Der Literaturtag will mit Buchvorstellungen, kurzen(!) Vorträgen und Lesungen, Gesprächen neugierig machen auf Japan und die japanische Literatur. Bringen Sie gern Ihre eigenen Bücher zum Thema mit! Und was Kintsugi ist, erfahren Sie spätestens an diesem Tag.

Charles Dickens - der Mann, der Weihnachten erfand (21H-3408)

Sa. 29.01.2022 10:00 - 16:45 Uhr in Kierspe
Dozentin: Marion Görnig

Literaturtag

London in den 1840er Jahren. Charles Dickens ist zum Star der englischsprachigen Literaturszene aufgestiegen. Nach dem Erfolg von „Oliver Twist“ (1839) ist er auf dem Zenit angekommen. Bei einer Lesereise durch die USA hat ihn das Publikum umjubelt. Man beschreibt ihn als den großen Magier, dessen Zauberstab ein Buch sei. Doch dann, 1843, ist plötzlich die Luft raus, der Zauber verflogen. Der Dichter muss einige Flops verkraften, das Geld wird knapp, sein Vater braucht mal wieder welches, und dann gehen ihm auch noch die Ideen aus. Der Mann hat eine Schreibblockade. Aber das wirft ihn nicht wirklich aus der Bahn, die Schaffens- und Geldkrise hindert ich nicht daran, sein Haus weiter luxuriös umzubauen, zumal es immer noch Verleger gibt, die man um Vorschuss angehen kann. Doch als es wirklich knapp wird, kommt ihm die zündende Idee. Sein nächstes Buch soll eine Weihnachtsgeschichte werden. Aber die Zeit drängt, es sind nur noch wenige Wochen bis zum Fest und kein Verleger will das Risiko eingehen, dass das Buch nicht fertig ist für den Gabentisch. Und so wird Dickens zum Schreiber, Verleger und Drucker in eigener Person, zu einer Art Do-it-yourself-Künstler. Ein langer und mühevoller Weg, bis daraus schließlich die wohl berühmteste Weihnachtsgeschichte der Literatur: „A Christmas Carol“ („Ein Weihnachtslied“), die Geschichte vom reichen Geizhals Scrooge, für den Weihnachten nur eine Zeit- und vor allem Geldverschwendung ist.

Doch Charles Dickens ist natürlich nicht nur der Mann, der Weihnachten erfand, wie ihn der jüngste Film aus dem Jahr 2019 im Titel bezeichnete. Dickens ist der Mann, der sich von ganz unten nach oben kämpft, ein Mann, der die Welt der Armen, der Abgehängten im viktorianischen England nur zu gut kannte, die Armenhäuser, die Slums, das Elend der arbeitenden Klasse, die Gauner und die Straßenkinder. Kein Wunder, dass er seine eigenen Dämonen mit sich herumträgt, denen er mit der Macht der Phantasie begegnet und einem unerschütterlichen Optimismus, der manchmal in Leichtsinn umschlägt. Und oft auch in Rücksichtslosigkeit. Kein einfacher Charakter, dieser Charles Dickens. Wir werden sein Leben und seine Persönlichkeit einmal unter die Lupe nehmen, sein Werk Revue passieren lassen und seine unvergesslichen literarischen Gestalten.

Daphne du Maurier - Onlinekurs (21H-3409VK)

Di. 23.11.2021 (19:30 - 21:00 Uhr) - Di. 07.12.2021 in Überörtlich
Dozentin: Marion Görnig


"Letzte Nacht träumte ich, ich wäre wieder auf Manderley“

Literaturtag:

Das schreibende Ich unterscheidet sich sehr vom Ich, das leben will, und beide sind eng verbunden. Ohne Schreiben gäbe es keinen Grund mehr zum Leben. Die Extreme in ihrer Gegensätzlichkeit verursachen den Konflikt. (Daphne du Maurier)

Daphne du Maurier ist heute noch, über 50 Jahre nach ihrem Tod, in Cornwall eine Legende. Immer wieder ist die von ihr so geliebte rauhe südenglische Landschaft geheimnisvoller, tragischer Schauplatz ihrer Romane. Sie war die Autorin der Erzählung „Die Vögel“, Hitchcocks Verfilmung ließ sie zur Ikone der Spannungsliteratur werden. Ihre Kurzgeschichte „Don‘t look now“ war die Vorlage des Films „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Achtzehn Romane, darunter „Jamaica Inn“ und „Meine Cousine Rachel“ und ein heute noch aufgelegtes Reisebuch über Cornwall sind ihr schriftstellerisches Lebenswerk.
Ihr wohl berühmtester Roman „Rebecca“ beginnt mit einem ebenso berühmten ersten Satz: „Letzte Nacht träumte ich, ich wäre wieder auf Manderley.“ Eine Romanze, ein Krimi, eine Gothic Novel? Oder ein Eheroman, der eigene Erfahrungen spiegelt, aber sie nicht preisgeben will? Daphne du Maurier hat vieles in ihrem Leben nicht preisgegeben, und hat sich das Ureigenste viele Jahre lang selbst nicht eingestehen wollen: ihre Liebe zu Frauen. Sie leidet unter ihren Gefühlen für Frauen genauso leidenschaftlich, wie sie ihre Neigung dann letztendlich lebt. Erst gegen Ende der 40er Jahre findet sie in der Schauspielerin Gertrude Lawrence die Liebe, die sie sich nicht zugestanden hat. Als Gertrude 1952 stirbt, bricht für Daphne eine Welt zusammen. Sie verschanzt sich in ihrem abgelegenen Landsitz Menabilly in Cornwall, das Manderley ihres größten Romans, und lebt ihrem letztlich ersehnten Tod entgegen.
Wir werden uns in diesem Seminar mit dem öffentlichen und dem „eigentlichen“ Leben der Daphne du Maurier beschäftigen, ihrem Leben zwischen Wunsch, Traum und Realität, ihrem Leben in ihrem Schreiben und dem beständigen Kampf zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Der Kurs findet als Videokonferenz online statt. Sie benötigen nur einen Laptop oder ein Tablet mit eingebauter Kamera und Mikrofon. Sie müssen kein Programm herunterladen, sie bekommen von der Kursleiterin einen Link zur Videokonferenz per Mail zugeschickt.